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Wann schneiden Sie einen Kirschbaum?
Einen Kirschbaum schneiden Sie im Sommer nach der Ernte, je nach Sorte von Juli bis in den August hinein. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) schreibt in ihrem Merkblatt zur Sauerkirsche, dass der Sommer nach der Ernte am besten ist, weil der Wundverschluss dann noch im gleichen Jahr beginnt. Für Süßkirschen gilt dasselbe, denn Kirschen zählen als Steinobst zu den Obstarten, die Sie nicht im Winter schneiden.
Kurz zusammengefasst: Kirschen schneiden Sie nach der Ernte im belaubten Zustand. Sauerkirschen lichten Sie jedes Jahr aus und leiten abgetragene Triebe auf Neutriebe ab. Süßkirschen schneiden Sie nur, wenn Höhe oder Kronendichte es verlangen. Krankes Holz entfernen Sie sofort, in jeder Jahreszeit. Einen Winterschnitt vermeiden Sie, weil Süßkirschen darauf häufiger mit Gummifluss reagieren.
- Sommerschnitt
- Süßkirsche
- Sauerkirsche
- Gummifluss
- Monilia
- Werkzeug
Warum schneiden Sie Kirschen nicht im Winter?
Kirschen schneiden Sie nicht im Winter, weil Steinobst im Winter schlechter verheilt und Süßkirschen häufiger Gummifluss entwickeln. Gummifluss bezeichnet den Austritt von zähem Harz an Wunden und Rissen. Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz (DLR) schreibt zur Süßkirsche, sie antworte auf den Winterschnitt häufiger mit Gummifluss, und für den Schnitt gelte „niemals im Winter“. Das Merkblatt der LWG zum Apfel grenzt den Winterschnitt ausdrücklich auf Kernobst ein, also auf Apfel, Birne und Quitte.
Der Sommerschnitt hat zwei weitere Vorteile. Er hemmt das Triebwachstum im Folgejahr, weil der Baum mit den grünen Blättern Assimilationsfläche verliert. Außerdem bilden sich in einer ausgelichteten Krone noch im selben Jahr Blütenknospen, wie die LWG für die Sauerkirsche festhält. Winterschnitt dagegen fördert nach Angaben der Gartenakademie Rheinland-Pfalz das Triebwachstum des Folgejahres, was bei starkwachsenden Kirschen unerwünscht ist.
Gut zu wissen: Der Erziehungsschnitt eines jungen Baums ist die Ausnahme. Lubera nennt für die ersten zwei bis drei Standjahre das Frühjahr bis März. Ab dem Ertragsalter schneiden Sie nur noch nach der Ernte.
Wie unterscheidet sich der Schnitt bei Süß- und Sauerkirschen?
Süßkirschen schneiden Sie wenig, Sauerkirschen jedes Jahr. Süßkirschen wachsen stark und tragen an kurzen Fruchttrieben, den Buketttrieben, die mehrere Jahre fruchten. Sauerkirschen wachsen schwächer, bilden dünne Triebe und neigen zu hängenden Seitenästen. Der Unterschied bestimmt, wie viel Holz Sie entfernen.
| Merkmal | Süßkirsche | Sauerkirsche |
|---|---|---|
| Wuchs | stark, hohe Pyramidenkrone | schwächer, neigt zu hängenden Ästen |
| Höhe (Halbstamm) | 4 bis 8 m | 3 bis 4 m |
| Fruchtholz | Buketttriebe am mehrjährigen Holz | je nach Sorte einjährige Triebe |
| Schnittmenge | wenig, nur bei zu hoher oder dichter Krone | jährlich, Teil der überhängenden Triebe |
| Zeitpunkt | nach der Ernte, im belaubten Zustand | im Sommer nach der Ernte |
Quelle: LWG Merkblatt 3172, Gartenakademie Rheinland-Pfalz (DLR), Lubera
Wie schneiden Sie die Sorten vom Typ Schattenmorelle?
Sorten wie „Schattenmorelle“, „Morellenfeuer“ und „Gerema“ tragen vorwiegend am einjährigen Holz. Die LWG beschreibt, dass diese Bäume zur Verkahlung der Äste und durch das Fruchtgewicht an dünnen Trieben zu stark hängendem Wuchs neigen. Zur Verjüngung entfernen Sie jährlich nach der Ernte einen Teil der überhängenden Zweige. Der Schnitt erfolgt auf einen vorhandenen Neutrieb an der Basis des alten Triebes, das Fachwort dafür ist Ableiten. Den Neutrieb schneiden Sie nicht an, denn er trägt im kommenden Jahr Früchte.
Wie schneiden Sie aufrecht wachsende Sauerkirschen?
Aufrecht wachsende Sorten wie „Koröser Weichsel“, „Karneol“, „Morina“, „Safir“, „Achat“, „Jade“, „Favorit“ und „Heimanns Rubinweichsel“ verzweigen sich auch am älteren Holz und verkahlen kaum. Hier entfernen Sie nach der Ernte nur schwache und nach innen wachsende Triebe, ähnlich wie bei der Süßkirsche. Die LWG nennt für „Ludwigs Frühe“, „Dimitzer“ und „Schwäbische Weichsel“ ein gründliches Auslichten, weil diese Sorten kurzes Fruchtholz bilden.
Wie führen Sie den Ernte-Schnitt in fünf Schritten durch?
Der Ernte-Schnitt fasst die Empfehlungen von LWG, Gartenakademie Rheinland-Pfalz und Lubera in fünf Schritten zusammen. Er beginnt direkt nach der letzten Kirsche und endet, bevor das Triebwachstum abgeschlossen ist.
- Baum von unten betrachten. Prüfen Sie Mitteltrieb, Leitäste und die Dichte der Krone. Ziel ist eine luftige Krone, in der die Blätter nach Regen abtrocknen. Lubera nennt das als Vorbeugung gegen Pilzinfektionen und Gummifluss.
- Krankes Holz zuerst entfernen. Triebe mit Monilia-Spitzendürre schneiden Sie laut LWG bis weit ins gesunde Holz zurück. Lubera empfiehlt, das Werkzeug nach jedem Schnitt mit Alkohol zu desinfizieren.
- Nach innen und steil wachsende Triebe entfernen. Die LWG nennt Konkurrenztriebe, Triebe auf der Astoberseite und nach innen wachsende Triebe als Schnittkandidaten. Seitenäste leiten Sie nach außen ab.
- Abgetragenes Fruchtholz ableiten. Bei Sauerkirschen nehmen Sie überhängende, abgetragene Zweige auf einen Neutrieb an der Basis zurück. Lubera beschreibt die verkahlten Triebe als Peitschentriebe, bei denen ein Rückschnitt keinen Sinn hat, weil austriebsfähige Knospen fehlen.
- Bei Süßkirschen die Höhe begrenzen. Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz nennt den Schnitt direkt nach der Ernte als günstigen Termin, um starkwachsende Süßkirschen zu korrigieren. Damit lässt sich die Baumhöhe um 1,5 Meter reduzieren. Über zwei bis drei Jahre wiederholt, beruhigt das den Kopfbereich des Baums.
Welche Fehler vermeiden Sie beim Kirschbaumschnitt?
Fünf Fehler führen beim Kirschbaum am häufigsten zu Schäden: der Winterschnitt, zu große Wunden, zu steile Leitäste, das Einkürzen von Neutrieben und unsauberes Werkzeug.
- Winterschnitt bei Süßkirschen. Er provoziert Gummifluss. Warten Sie bis nach der Ernte.
- Zu große Wunden auf einmal. Lubera rät, einen Seitenast, der auf einen weniger als halb so dicken Ast abgeleitet wird, nicht an der Basis zu entfernen, sondern einen 20 Zentimeter langen Stummel stehen zu lassen. Ist der Stummel eingetrocknet, schneiden Sie ihn heraus. Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz nennt für Süßkirschen den Schnitt auf Zapfen zur besseren Wundheilung.
- Zu steile Leitäste. Bei sehr steiler Aststellung stellen Sie den Trieb laut LWG mit einer Schnur etwas flacher. Der Winkel zwischen Ast und Stamm soll nicht größer als etwa 70 Grad sein.
- Neue Triebe anschneiden. Bei der Spindelerziehung der Sauerkirsche schneiden Sie neue Triebe im ersten Standjahr nicht an, so die LWG.
- Stumpfes oder verschmutztes Werkzeug. Ausgefranste Wundränder heilen schlecht. Die LWG rät zu scharfen Werkzeugen und von Ambossscheren ab.
Wichtiger Hinweis zur Schonzeit: Nach § 39 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 BNatSchG gilt das Schnittverbot vom 1. März bis 30. September für Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen. Ein Kirschbaum im Hausgarten steht auf einer gärtnerisch genutzten Grundfläche. Für Kirschen auf Wiesen oder in der Landschaft sind schonende Form- und Pflegeschnitte zulässig. Länder dürfen abweichende Fristen bestimmen. Fragen Sie im Zweifel die untere Naturschutzbehörde. Dieser Ratgeber ist keine Rechtsberatung.
Welches Werkzeug brauchen Sie für den Kirschbaum?
Für den Kirschbaum benötigen Sie nach Aststärke drei Werkzeuge: eine Gartenschere für Triebe bis 25 Millimeter, eine Astschere für Äste bis 28 Millimeter und eine Säge für alles Dickere. Bei Süßkirschen kommt die Reichweite hinzu, denn ein Halbstamm erreicht laut Lubera vier bis acht Meter. Die Tabelle zeigt, welches Gerät aus unserem Vergleich für welche Aststärke vorgesehen ist.
| Aststärke | Werkzeug | Herstellerangabe |
|---|---|---|
| Bis 25 mm | Gartenschere (z. B. Gardena AssistCut) | Schneid-Durchmesser 25 mm, Bypass-Messer |
| Bis 28 mm | Akku-Astschere (z. B. Einhell GE-LS 18 Li-Solo) | Äste bis 28 mm, Bypass-Klingen |
| Hohe Äste | Teleskop-Astschere (Einhell GP-LS 18/28 Li T BL-Solo) | 28 mm, Stiel 1 bis 1,6 m, Arbeitshöhe bis 3,8 m |
| Über 28 mm | Säge | k. A. |
Quelle: Herstellerangaben laut Produktdaten (Gardena, Einhell)
Bypass heißt, dass zwei Klingen aneinander vorbeigleiten und den Ast sauber durchtrennen. Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz empfiehlt für den Obstgarten klappbare Universalsägen mit glatter Schnittfläche, weil sie Holzkrankheiten vermeiden und schnelles Vernarben ermöglichen. Zweihand-Baumscheren sind laut derselben Quelle bei Spalierbäumen bis 3 Meter Höhe ideal.
Bei einer Kronenhöhe über 3,8 Metern reicht auch das Teleskop-Gerät vom Boden aus nicht. Dann bleibt der Schnitt von der Leiter mit einer leichten Akku-Astschere, die sich per Clip an der Leiter einhängen lässt. Eine Übersicht bieten die Akku-Astscheren im Vergleich, die Teleskop-Astscheren und die Gartenscheren im Vergleich. Wann Kirschen im Jahresverlauf an der Reihe sind, zeigt der Schnittkalender für Gehölze. Ein Überblick über weitere Obstarten steht im Ratgeber Bäume und Sträucher schneiden: Zeitpunkt, Regeln, Werkzeug, und für Kernobst finden Sie die Anleitung unter Apfelbaum schneiden.
Häufige Fragen
Wann ist der beste Zeitpunkt für den Kirschbaumschnitt?
Der beste Zeitpunkt ist der Sommer direkt nach der Ernte. Die LWG begründet das damit, dass der Wundverschluss dann noch im selben Jahr beginnt und in der ausgelichteten Krone noch Blütenknospen angelegt werden.
Darf ich einen Kirschbaum im Winter schneiden?
Davon ist abzuraten. Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz schreibt zur Süßkirsche „niemals im Winter“ und begründet das mit der besseren Wundheilung im Sommer und häufigerem Gummifluss nach Winterschnitt. Nur kranke Äste entfernen Sie nach Lubera sofort, unabhängig von der Jahreszeit.
Wie stark schneiden Sie eine Süßkirsche?
Nur wenig. Süßkirschen haben einen harmonischen Wuchs, und der Rückschnitt führt zu starkem Neuaustrieb. Sie schneiden nur, wenn die Krone zu hoch oder zu dicht wird. Lubera nennt dafür den Sommer um August.
Wie schneiden Sie eine Sauerkirsche richtig?
Sauerkirschen lichten Sie jedes Jahr nach der Ernte aus. Bei Sorten wie Schattenmorelle leiten Sie überhängende, abgetragene Triebe auf einen Neutrieb an der Basis ab. Aufrecht wachsende Sorten brauchen nur den Schnitt schwacher und nach innen wachsender Triebe.
Was tun gegen Gummifluss am Kirschbaum?
Schneiden Sie nicht im Winter und halten Sie die Krone luftig. Lubera nennt den Aufbau einer luftigen Krone mit gleichmäßigen Leitästen als Vorbeugung gegen Pilzinfektionen und Gummifluss.
Wie gehen Sie bei Monilia-Spitzendürre vor?
Befallene Triebe entfernen Sie bis weit ins gesunde Holz. Die LWG nennt das als Teil des jährlichen Schnitts. Desinfizieren Sie die Klingen nach jedem Schnitt mit Alkohol, wie Lubera empfiehlt.
Welche Schere brauche ich für den Kirschbaum?
Für Triebe bis 25 mm genügt eine Gartenschere, für Äste bis 28 mm eine Astschere, darüber eine Säge. In hohen Kronen hilft eine Teleskop-Astschere mit bis zu 3,8 m Arbeitshöhe.
Quellen
- Schnitt der Sauerkirsche, Merkblatt 3172 – Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) (abgerufen am 03.11.2026)
- Winterschnitt bei Apfelbäumen, Merkblatt 3164 – Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) (abgerufen am 03.11.2026)
- Schnitt der Obstgehölze – Gartenakademie Rheinland-Pfalz (DLR) (abgerufen am 03.11.2026)
- Schnitt von Zier- und Obstgehölzen im Spätsommer – Gartenakademie Rheinland-Pfalz (DLR) (abgerufen am 03.11.2026)
- Kirschbaum schneiden – Lubera Gartenbuch (abgerufen am 03.11.2026)
- § 39 BNatSchG, Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen – Bundesministerium der Justiz (abgerufen am 03.11.2026)
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Unsere Empfehlung: Einhell GP-LS 18/28 Li BL*Ideal für Äste bis 28 mm
Einhell GE-LS 18 Li*Ideal für Obst- und Strauchschnitt
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